02.-07. August 2015 – Nordsee

Sonnenuntergang Horumersiel

Der Erste Eintrag auf diesem Blog widme ich meinem “Sommerurlaub” an der Nordsee, genauer gesagt dem Yoga Vidya Ashram in der Nähe von Horumersiel. Hier hatte ich eine Ferienwoche gebucht.

Der Ashram an der Nordsee, eine Wohngemeinschaft zur spirituellen Weiterentwicklung unter Anderem auch über das Praktizieren der Hatha-Yoga Asanas ist ca. zwei Kilometer außerhalb von Horumersiel, ca. 25 Kilometer nördlich von Wilhelmshaven gelegen. Damit dürfte klar sein, ein langer Weg aus dem Nordschwarzwald, aber eine Erfahrung und viele schöne Begegnungen und neue Bekanntschaften die es Wert waren.

Die Ankunft am Ashram war am Sonntag, meine Anfahrt war relativ entspannt, da ich mich bereits Freitag Abends auf den Weg gemacht hatte, allerdings nicht den gesamten Weg auf einmal. Mein erster Zwischenstopp war in der Gegend von Frankfurt, Offenbach um genau zu sein, um etwas abzuholen. Für diesen Weg benötigte ich alleine schon ca. vier Stunden, da der stockende Verkehr, bzw. Stau schon vor Karlsruhe begann. Anschließend fuhr ich nach Wuppertal weiter, wo ich bei meiner Mutter übernachtete. Am Samstag, pünktlich zum Frühstück standen auch Schwester und Schwager vor der Tür und gemeinsam wurde der anstehende Umzug dort vorbereitet. Am Sonntag gegen spätem Vormittag fuhr ich dann die restliche Strecke zum Ashram.

Die Rezeption war um diese Uhrzeit noch nicht so sehr gefragt und das Einchecken war schnell erledigt, den Überblick über den Programmplan für den Sonntag gab es vorerst noch mündlich, wurde später dann als Plan für die gesamte Woche ausgehängt. Nach dem Beziehen des Zimmers, in meinem Fall ein Mehrbettzimmer (zwei Stockbetten sowie zwei Einzelbetten) – freie Wahl, da ich zu diesem Zeitpunkt Alleine war – blieb noch ein bisschen Zeit zum erholen und um 16 Uhr war eine kleine Hausführung angesagt. Die Namen der verschiedenen Räume konnte ich mir anfangs auch nicht merken, der Hinweis welche Gruppe in welchem Raum sich normalerweise aufhält, war für mich schon relevanter.

Nach der Hausführung ging es auch schon los mit der ersten Hatha-Yoga Praxis. Hier gab es eine sanfte Anfängerstufe, sanfte Mittelstufe und eine fordernde Mittelstufe zur Wahl. Ich war mir nicht sicher welches Angebot für mich am geeignetsten war, daher entschied ich mich für die goldene Mitte, wenn ich unter- oder überfordert wäre, wüsste ich ja wohin ich wechseln kann. Ein Wechsel war nicht nötig, ich fühlte mich in der sanften Mittelstufe gut aufgehoben.

Nach dem Hatha-Yoga ging es noch kurz aufs Zimmer, mittlerweile war ich nicht mehr Alleine, es hatten sich zwei weitere Zimmerbewohner eingefunden. Die Woche über blieb es bei dieser Konstellation, ein Sechsbettzimmer zu Dritt belegt.

Anschließend gab es im Speisesaal das Buffet fürs Abendessen aufgebaut, über das Buffet später noch ein bisschen mehr.

Nach dem Essen gab es, für Neulinge, eine Einführung in den Satsang, dies ist eine Art hinduistischer Gottesdienst der aus einer ca. halbstündigen Meditation, gefolgt von Mantra singen sowie Ritualen und Lesung besteht. Die Einführung fand in einem separaten Raum statt und nahm in etwa die Zeit der Meditation ein, zum Singen der Mantras wurden wir dann zu den anderen hineingeführt. Es war interessant diesem Ritual beigewohnt zu haben, mein Entschluss stand jedoch fest – Satsang ist nichts für mich, dieser Gottesdienstcharakter war mir zu stark. Ein Glaube sollte sich, zumindest für mich, nicht in so starren Handlungsabläufen abspielen.

Nach dem Satsang ging es wieder zurück aufs Zimmer, auf dem Weg dorthin hing der Plan für die Woche nun aus. Der Plan las sich wie ein Stundenplan:

6.00 Uhr Pranayamas (Atemübungen)
7.00 Uhr Satsang oder um 6.55 Einführung in Meditation
8.15 Uhr verschiedene Vorträge
9.30 Uhr Yoga
11.00 Uhr Brunch

16.30 Uhr Yoga
18.00 Uhr Abendessen
20.00 Uhr Satsang
21.15 Uhr Abendprogramm

zwischen Brunch und dem Yoga am Nachmittag wurde am Montag um 14 Uhr eine Wanderung nach Horumersiel, am Dienstag um 14 Uhr ein Massageworkshop, am Donnerstag um 13 Uhr eine Wanderung nach Hooksiel ausgewiesen. Mittwoch nachmittags war kein Programm, ein freier Nachmittag und Abend.

Nach skeptischem Studium des “Stundenplans” ging ich zum schlafen aufs Zimmer, immerhin war um 6 Uhr wieder Programm angesagt.

Erstaunlicherweise war ich am nächsten Morgen, dank Wecker, um 5.30 Uhr wach und dann auch pünktlich bei den Atemübungen. Fast eine Stunde Atemübungen haben was für sich, die Müdigkeit war weg und ich bereit für die Einführung in die Meditation. Diese ging wieder ca. eine halbe Stunde, eine geführte Meditation und anschließend wurde die Gruppe wieder zu den Anderen beim Satsang geführt – auf dem Weg bin ich dann mal “verloren gegangen” und bin nochmal auf das Zimmer. Satsang, wie bereits geschrieben war nicht unbedingt etwas, was ich regelmäßig machen wollte.

Beim Vortrag wurde dann erwähnt, dass das Programm, von mir als “Stundenplan” bezeichnet, nur ein Angebot für die Gäste der Ferienwoche ist. Mit dieser Aussage verringerte sich mein Plan um Satsang und Abendprogramm. Zudem wurde darauf hingewiesen, dass bei gutem Wetter auch Yoga am Strand angeboten wird, ebenfalls um 16.30 Uhr. Dies konnte ich dann auch am Montag und Donnerstag in Anspruch nehmen.

Am Montag ging es mit einer kleinen Gruppe nach Horumersiel, nach einer kurzen Führung durch die Ortsmitte und den Verweisen zu den Bankautomaten an den Strand, hier gab es noch einige erläuternde Worte, das wir nicht an der Nordsee, sondern an der Jade sind, die Nordsee sich dahinter erst erstreckt.
Anschließend hatten wir noch ein bisschen Zeit bis zum Yoga am Strand und haben uns auf eigene Faust umgesehen.

Das Yoga am Strand war dann auf einer Wiese in Strandnähe, aber trotzdem schön. Direkt am Strand hätten wir auch nicht die Ruhe gehabt.

Anschließend ging es zum Essen wieder in den Ashram.

Die Buffets waren stets ähnlich aufgebaut: Der Anteil an Rohkost lag bei rund 40-50 %, die warmen Speisen bestanden mal aus gemischten “Gemüsepfannen” oder auch einzelnem Gemüse mit Hirse, Quinoa oder Polenta. An der Gewürzstation sollte man, vorausgesetzt man hat nicht schon sehr minimalistisch in Bezug auf Gewürze gelebt, unbedingt einen Stopp einlegen. Auch beim Buffet gab es Stau, da am Ende der Rohkost-Seite Brot und Tomaten standen, die man erst noch schneiden durfte. Ab und an gab es auch noch Dalgerichte oder verschiedene Breie, beim Brunch-Buffet gab es zusätzlich noch Müsli. Als Veganer konnte man sich satt Essen, man darf nicht all zu viel erwarten, bei einer Menge von 100-200 Gästen ist das Essen eben wie in einer Kantine. Hier fehlen mir jedoch die Vergleichswerte ob eine gute oder schlechte Kantine. Ich war mit dem Essen auf jeden Fall zufrieden. Frisches Obst, Bananen, Äpfel, Kiwis und Bananen gab es auch ständig. An Getränken gab es Wasser kalt, heiß, Ingwerwasser und wechselnde Kräuter- und Früchtetees. Kein Kaffee oder Grün-/Schwarztees, womit ich nun weniger Probleme hatte.

Am Dienstag gab es um 6 Uhr keine Pranayamas, sondern eine Stunde lang Meditation. Hätte ich nochmals auf den Aushang geschaut, hätte ich es auch vorher lesen können. Dafür hab ich dann die geführte Meditation für mich ausfallen lassen. Der Massageworkshop war gut gemacht, wir hatten nur zwei Stunden Zeit, damit war auch klar, dass wir keine detaillierte Ausbildung erwarten durften.

Mittwochs wurde bis 12 Uhr geschwiegen, Ausnahme machten nur die verschiedenen Leiter der Programmpunkte. Die Pranayamas zum Sonnenaufgang fanden auch wieder statt, zum Glück, noch einen Tag mit Meditation um diese Zeit hätte ich nicht durchgestanden. Auch in den kommenden Tagen gab es die Pranayamas.
Am freien Nachmittag gab es eine nette Fahrradtour zu sechst, die allerdings beim Fahrrad ausleihen an der Rezeption zu scheitern drohte, da keine Räder mehr verfügbar waren. Zu unserer Rettung gab es jedoch andere Teilnehmer, die uns ihre drei privaten Fahrräder ausgeliehen haben. Diese Gruppe war sehr harmonisch und angenehm. Ich kann mich hier nur bei den Teilnehmern die uns die Fahrräder geliehen hatten und den Fahrradtourteilnehmern bedanken.

Donnerstag Nachmittag bin ich Zugunsten des Strandyogas mit dem Fahrrad alleine nach Horumersiel und hab die Wanderung nach Hooksiel für mich ausfallen lassen. Dort bin ich noch am Strand unterwegs gewesen, habe ein paar Steine gesammelt und mich ein bisschen auf eine Parkbank gelegt und das warme Wetter genossen.

Am Freitag war nach dem Brunch Buffet die Zeit des Abschiedes gekommen. Auf dem Weg in den Süden habe ich noch drei liebe Frauen am Bahnhof in Wilhelmshaven abgesetzt und bin wieder zu meiner Mutter, da hier am Samstag der eine Woche zuvor vorbereitete Umzug von statten ging.